Literaturkanon # 26: Portnoy’s Complaint, 1969, Philip Roth
„Dann kam die Pubertät – und ich verbringe die Hälfte der Zeit, in der ich nicht schlafe, eingeschlossen im Badezimmer und schieße meine Ladung in die Klosettschüssel oder in die schmutzige Wäsche im Wäschekorb, oder ich spritze sie aufwärts, in den Spiegel des Medizinschränkchens, vor dem ich mit heruntergelassenen Hosen stand, um zu sehen, wie es herauskam. Oder ich beugte mich tief über meine fliegende Faust, mit fest zusammengekniffenen Augen, jedoch weit offenem Mund, um das sämige Gemisch aus Buttermilch und Mandelöl auf Zunge und Zähnen zu spüren – obwohl mir soundso oft, in meiner blinden Ekstase, das ganze Zeug in die Haare ging, wie ein Schuss Shampoo. Eine Welt von verklebten Taschentüchern und zusammengeknülltem Kleenex und befleckten Pyjamas umgab meinen wunden und geschwollenen Penis, und ich lebte in ständiger Angst, dass meine Verworfenheit von jemand entdeckt werden könnte, der mich gerade dann überrascht, wenn ich, wie von Sinnen, meine Ladung loswerde. Trotzdem war es mir völlig unmöglich, die Pfoten von meinem Pimmel zu lassen, sobald er begann sich aufzurichten. Mitten in einer Schulstunde hob ich die Hand, um austreten zu dürfen, rannte den Gang hinunter zur Toilette und holte mir, vor einem Pissoirbecken stehend, mit zehn oder fünfzehn wilden, ruckhaften Handbewegungen einen herunter. Samstag nachmittags beim Kinobesuch stehe ich auf und gehe ohne meine Freunde zum Automaten – was damit endet, dass ich, weit von ihnen entfernt, auf einem Balkonplatz, meinen Samen in die leere Hülle eines Schokoladenriegels spritze. Während einer Landpartie, die unsere ganze Sippe unternahm, schnitt ich aus einem Apfel das Kerngehäuse heraus, sah zu meinem Erstaunen (bestärkt durch meine Fixation), wie er nun aussah, und rannte fort, in den Wald, um mich auf die ausgehöhlte Frucht fallen zu lassen, wobei ich mir vorstellte, dass die kühle samtige Öffnung sich zwischen den Beinen jenes mythischen Wesens befinde, das mich immer Big Boy nannte, wenn sie um das flehte, was kein Mädchen in der ganzen Geschichte der Menschheit je bekommen hatte. ‚Stoß ihn rein, Big Boy’, rief der ausgehöhlte Apfel, den ich auf diesem Ausflug vögelte wie verrückt. ‚Big Boy, Big Boy, o gib’s mir, gib mir alles, was du hast’, flehte die leere Milchflasche, die ich in unserem Kellerverschlag versteckt hatte, um dort nach der Schule meinem Vaselingesalbten die Zügel schießen zu lassen. ‚Komm, Big Boy, komm’, schrie das toll gewordene Stück Leber, das ich, in meiner eigenen Tollheit, eines Nachmittags in einem Fleischerladen kaufte und, ob Sie’s glauben oder nicht, hinter einer Reklametafel vergewaltigte – auf dem Weg zur Bar Mizwa-Stunde.“Philip Roth: Portnoys Beschwerden / Goodbye Columbus. Deutsch von Kai Molvig und Herta Haas. Reinbek bei Hamburg 1993. S. 16-17.






























