30 Juli 2006

Literaturkanon # 26: Portnoy’s Complaint, 1969, Philip Roth

„Dann kam die Pubertät – und ich verbringe die Hälfte der Zeit, in der ich nicht schlafe, eingeschlossen im Badezimmer und schieße meine Ladung in die Klosettschüssel oder in die schmutzige Wäsche im Wäschekorb, oder ich spritze sie aufwärts, in den Spiegel des Medizinschränkchens, vor dem ich mit heruntergelassenen Hosen stand, um zu sehen, wie es herauskam. Oder ich beugte mich tief über meine fliegende Faust, mit fest zusammengekniffenen Augen, jedoch weit offenem Mund, um das sämige Gemisch aus Buttermilch und Mandelöl auf Zunge und Zähnen zu spüren – obwohl mir soundso oft, in meiner blinden Ekstase, das ganze Zeug in die Haare ging, wie ein Schuss Shampoo. Eine Welt von verklebten Taschentüchern und zusammengeknülltem Kleenex und befleckten Pyjamas umgab meinen wunden und geschwollenen Penis, und ich lebte in ständiger Angst, dass meine Verworfenheit von jemand entdeckt werden könnte, der mich gerade dann überrascht, wenn ich, wie von Sinnen, meine Ladung loswerde. Trotzdem war es mir völlig unmöglich, die Pfoten von meinem Pimmel zu lassen, sobald er begann sich aufzurichten. Mitten in einer Schulstunde hob ich die Hand, um austreten zu dürfen, rannte den Gang hinunter zur Toilette und holte mir, vor einem Pissoirbecken stehend, mit zehn oder fünfzehn wilden, ruckhaften Handbewegungen einen herunter. Samstag nachmittags beim Kinobesuch stehe ich auf und gehe ohne meine Freunde zum Automaten – was damit endet, dass ich, weit von ihnen entfernt, auf einem Balkonplatz, meinen Samen in die leere Hülle eines Schokoladenriegels spritze. Während einer Landpartie, die unsere ganze Sippe unternahm, schnitt ich aus einem Apfel das Kerngehäuse heraus, sah zu meinem Erstaunen (bestärkt durch meine Fixation), wie er nun aussah, und rannte fort, in den Wald, um mich auf die ausgehöhlte Frucht fallen zu lassen, wobei ich mir vorstellte, dass die kühle samtige Öffnung sich zwischen den Beinen jenes mythischen Wesens befinde, das mich immer Big Boy nannte, wenn sie um das flehte, was kein Mädchen in der ganzen Geschichte der Menschheit je bekommen hatte. ‚Stoß ihn rein, Big Boy’, rief der ausgehöhlte Apfel, den ich auf diesem Ausflug vögelte wie verrückt. ‚Big Boy, Big Boy, o gib’s mir, gib mir alles, was du hast’, flehte die leere Milchflasche, die ich in unserem Kellerverschlag versteckt hatte, um dort nach der Schule meinem Vaselingesalbten die Zügel schießen zu lassen. ‚Komm, Big Boy, komm’, schrie das toll gewordene Stück Leber, das ich, in meiner eigenen Tollheit, eines Nachmittags in einem Fleischerladen kaufte und, ob Sie’s glauben oder nicht, hinter einer Reklametafel vergewaltigte – auf dem Weg zur Bar Mizwa-Stunde.“

Philip Roth: Portnoys Beschwerden / Goodbye Columbus. Deutsch von Kai Molvig und Herta Haas. Reinbek bei Hamburg 1993. S. 16-17.

Short Cuts # 4

Wenn dein Körper ganz klebrig ist an manchen Stellen, ist meine Liebe zu dir am stärksten.

28 Juli 2006

The TV Screen # 7: Dawson’s Creek (Seasons 1 - 4), 1998 - 2001, Kevin Williamson / Paul Stupin

Moments in Comics # 37: The Mystery Play, 1994, Grant Morrison / Jon J. Muth

27 Juli 2006

Die Kunst der Gehirnwäsche # 5

Short Cuts # 3

Deine Liebe ist brachial. In einer Familie wird sie niemals aufgehen. Damit kann ich leben.

Essential Films # 39: Guinevere, 1998, Audrey Wells

Essential Records # 24: I'm So Confused, 1998, Jonathan Richman

Delusions # 7

Favorite Cartoons # 50

26 Juli 2006

Literaturkanon # 25: Traumnovelle, 1925, Arthur Schnitzler

„Sie schwieg und blieb ohne jede Regung. Auch er rührte sich nicht und sprach kein Wort. Jedes wäre in diesem Augenblick matt, lügnerisch und feig erschienen. Je weiter sie in ihrer Erzählung fortgeschritten war, um so lächerlicher und nichtiger erschienen ihm seine eigenen Erlebnisse, soweit sie bisher gediehen waren, und er schwor sich, sie alle zu Ende zu erleben, sie ihr dann getreulich zu berichten und so Vergeltung zu üben an dieser Frau, die sich in ihrem Traum enthüllt hatte als die, die sie war, treulos, grausam und verräterisch, und die er in diesem Augenblick tiefer zu hassen glaubte, als er sie jemals geliebt hatte.
Nun merkte er, dass er immer noch ihre Finger mit seinen Händen umfasst hielt und dass er, wie sehr er diese Frau auch zu hassen gewillt war, für diese schlanken, kühlen, ihm so vertrauten Finger eine unveränderte, nur schmerzlicher gewordene Zärtlichkeit empfand; und unwillkürlich, ja gegen seinen Willen – ehe er diese vertraute Hand aus der seinen löste, berührte er sie sanft mit seinen Lippen.“

Arthur Schnitzler: Traumnovelle. Frankfurt am Main 2001. S. 61.

Short Cuts # 2

Wut ist keine negative, sondern eine heilsame Energie. Man darf sich nicht kirre machen lassen.

The TV Screen # 6: The X-Files, 1994 - 2003, Chris Carter

Kunstlicht # 36: Rosa Gasquet, Dichtertochter, 1987, Vlado Kristl

24 Juli 2006

Moments in Comics # 36: Hard Boiled, 1992, Frank Miller / Geof Darrow

Die Kunst der Gehirnwäsche # 4

Short Cuts # 1

Wenn die Schatten zwischen uns fallen, gibt es immer etwas zu lachen. Am Ende lüpfst du dein Kleid und wir kommen zur Sache.

22 Juli 2006

Essential Films # 38: King Kong, 2005, Peter Jackson

Essential Films # 37: Surviving Desire, 1991, Hal Hartley

Delusions # 6: Brigitte Bardot

Favorite Cartoons # 49

19 Juli 2006

Essential Records # 23: Canto a lo humano, 1966, Victor Jara

18 Juli 2006

The TV Screen # 5: Firefly, 2002, Joss Whedon / Tim Minear

15 Juli 2006

Literaturkanon # 24: The Grapes of Wrath, 1939, John Steinbeck

„Die Pächter blickten beunruhigt auf. Aber was geschieht mit uns? Wovon sollen wir leben?
Ihr müsst das Land verlassen. Die Pflüge werden durch euren Hof gehen.
Und jetzt standen die Männer wütend auf. Großvater ist als erster auf das Land gekommen. Er musste die Indianer töten und sie fortjagen. Und Vater ist hier geboren. Er hat das Unkraut ausgerupft und die Schlangen umgebracht. Dann kam ein schlechtes Jahr, und wir mussten ein bisschen Geld borgen. Und wir sind hier geboren. Dort in der Tür – unsere Kinder sind hier geboren. Und Vater musste Geld borgen. Dann gehörte das Land der Bank, aber wir blieben, und wir hatten ein kleines bisschen von dem, was wir anbauten.
Wir wissen das – wissen das alles. Wir sind’s ja auch nicht, es ist die Bank. Eine Bank ist nicht wie ein Mensch. Oder einer, der fünfzigtausend Hektar besitzt, ist auch nicht wie ein Mensch. Das ist das Ungeheuer.
Sicher, riefen die Pächter, aber es ist unser Land. Wir haben es vermessen und haben es umgepflügt. Wir sind darauf geboren, und wir sind darauf getötet worden, wir sind darauf gestorben. Wenn es auch nicht gut ist, es ist doch unser Land. Darauf geboren zu sein, es bearbeitet zu haben, darauf gestorben zu sein – dadurch ist es unser Land geworden. Nur dadurch und nicht durch ein Papier mit Zahlen darauf gehört einem das Land.“

John Steinbeck: Früchte des Zorns. Deutsch von Klaus Lambrecht. München 1985. S. 42.

12 Juli 2006

Moments in Comics # 35: Colin-maillard, 1989, Max Cabanes

08 Juli 2006

Die Kunst der Gehirnwäsche # 3

Krematoriengrau

Deine Liebe hält mich warm
und ich knistere und knacke,
glimme und verglühe
vor Scham.

Was ich vor dir tat und dachte,
was ich sagte und dann von mir stieß,
das lodert jetzt
und raucht.

Leg' noch Holz nach, Liebste, und
reib den Ruß mir in die Haut!
Die Asche, die da fliegt,
ist nur verbrannter Staub.

07 Juli 2006

Essential Films # 36: Odd Man Out, 1947, Carol Reed

Delusions # 5

05 Juli 2006

Kunstlicht # 35: Der Omnibus Madeleine-Bastille, 1895, Louis Valtat

Favorite Cartoons # 48

Hardcore

Miriam japste wie ein Köter in Hitze. Sie wusste nicht mehr, den wievielten Dildo ihr Sam in den Arsch schob. Bei Elf hatte sie aufgehört zu zählen. Ihr Loch war wund und schmerzte. Trotzdem schloss sich ihr Schließmuskel fest um den diesmal rauhen, mit Noppen verzierten Plastikphallus.
Aus ihrer Fotze rann Blut. Züngelnd hatte Sams Mund sich in ihre nasse Scham gegraben und dann schmerzhaft an ihr genagt.
„Der nächste wird weh tun“, sagte er und lachte.
Er tat weh. Die Kanten des Dildos waren so scharf, dass er sie auseinanderzuschneiden schien. Miriam schrie.
Endlich machte Sam ihre Hände los. Sie fingen an zu kribbeln, als das Blut wieder zu zirkulieren begann. Er kniete sich vor ihr Gesicht.
„Was willst du? Sag' mir, was du willst!“ forderte er.

Was wollte sie? Der Schriftsteller versuchte sich eine Perversion einfallen zu lassen, die noch nie da gewesen war. Aber ihm gingen die Ideen aus. Der Herausgeber von Nasse Mösen zahlte ihm 500 pro Geschichte. Er schrieb unter Pseudonym. Seinen Namen hätte er für sowas niemals hergegeben. Schließlich hatte er Freunde, Eltern, Nachbarn. Er spielte kurz mit dem Gedanken, Miriam umkommen zu lassen. Aber der Herausgeber von Nasse Mösen hatte was gegen Tod.
„Wenn die Leute Leichen wollen, gehen sie in einen Horrorfilm“, pflegte er zu sagen. „Jemand, der Nasse Mösen kauft, will wichsen. Es mag da draußen ein paar kranke Typen geben, denen beim Gedanken an tote Frauen einer steht. Aber die Mehrheit meiner Leser will kleine, heiße Geschichten. Ein bisschen Schmerz ist schon okay. Aber keine Schweinereien. Blut darf tropfen, aber nicht fließen.“
Der Schriftsteller war wütend geworden. Es war seine erste Geschichte für Nasse Mösen gewesen, ein blutrünstiges Inzest-Drama mit tragischem Ausgang. Eifrig hatte er sich bemüht, seinen Auftraggeber vom Gegenteil zu überzeugen. Er hatte nochmal den Aufbau der Geschichte erläutert, wie und in welchem Maße die Figuren miteinander verstrickt waren, warum es so enden musste, wie es endete. Aber der Herausgeber hatte nur mitleidig gelächelt.
„Ihr Schreiberlinge seid schon kranke Gestalten“, hatte er gesagt. „Ich habe selbst ein paar Literaturseminare an der Uni besucht, auf Belehrungen kann ich also gut verzichten. Mir ist egal, wie Geschichten aufgebaut werden. Mir ist auch egal, was ein Schreiberling gerne ausgedrückt haben möchte. Ich bezahle die Musik und bestimme, was gespielt wird. Und bei mir wird gefickt, nicht getötet. Und, nur nebenbei, die Leute kaufen Nasse Mösen wegen der Photos. Die Geschichten sind nur eine Beigabe für diejenigen, die sich an den Bildern sattgesehen haben. Ich hoffe, wir haben uns verstanden.“
Der Schriftsteller überflog das Geschriebene noch mal. Er änderte Aus ihrer Fotze rann Blut in Aus ihrer Fotze tropfte Blut.

Miriam musste lachen. Schriftsteller sind schon komische Typen, dachte sie. Sie war eine kluge Frau.
Sam pisste ihr ins Gesicht.

02 Juli 2006

The TV Screen # 4: The Time Tunnel, 1966 - 1967, Irwin Allen

Das Bilderbuch des Wahnsinns # 43