10 April 2014

No One Here Gets Out Alive # 314: Mickey Rooney, 1920-2014

Mickey Rooney als Mr. Yunioshi in Breakfast at Tiffany's (1961) von Blake Edwards

02 April 2014

Watch the Web # 58: Dietmar Dath - Feldeváye


Lesung des Autors und Gespräch mit Florian Schmid am 21.3.2014 im Brecht-Haus, Berlin. Aufgenommen und bearbeitet von Carsten Giese.

01 April 2014

Filmnotizbuch # 10: 12 Years a Slave, 2013, Steve McQueen


Ein freier afroamerikanischer Zimmermann und Musiker wird in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts von Menschenhändlern in die Südstaaten verschleppt, wo er als Sklave auf den Baumwoll- und Zuckerrohrplantagen arbeiten muss. Dort wird er Zeuge der Grausamkeit der weißen Herren, deren Brutalität er auch am eigenen Leib erfährt. Erst nach zwölf Jahren kommt er mit Unterstützung eines weißen Abolitionisten frei und kann zu seiner Familie zurückkehren.
 
Obwohl ich sowohl den Regisseur (McQueen) als auch einen Großteil der Darsteller (Ejiofor, Fassbender, Cumberbatch, Dillahunt, Williams) sehr schätze, brauchte ich nicht weniger als drei Anläufe, um mir den diesjährigen Oscar-Gewinner bis zum Schluss ansehen zu können. Der Unwillen, mich durch diese Passionsgeschichte zu quälen, ließ mich den ganzen Film über nicht los und wurde leider auch am Ende mit keiner Erkenntnis oder neuen Einsicht belohnt. Um nicht missverstanden zu werden: Ich bin kein Gegner von Extremen und durchaus in der Lage, Gewinn auch aus der Beschäftigung mit menschlich Abgründigem zu ziehen. Ich habe kein Problem damit, mich konzentriert durch ein neunstündiges Werk wie Claude Lanzmanns Shoah zu arbeiten. Tatsächlich rührt mein Unbehagen gegenüber 12 Years a Slave weniger von den dargestellten Grausamkeiten als einer konzeptionellen Schwäche des Films her, die ich hier an zwei Punkten skizzieren möchte.
 
1. Zeit. Auch wenn sich die zwei Stunden und 14 Minuten, die der Film dauert, in der Rezeption dehnen wie Kaugummi: Die im Titel behaupteten zwölf Jahre vergehen wie im Flug. Die dargestellten Ereignisse hätten auch in einem Jahr, vielleicht sogar in einem Monat untergebracht werden können. Niemand scheint hier zu altern. Die Filmhandlung versäumt es, dem Zuschauer ein Gefühl von Zeit zu vermitteln. Die einzelnen Szenen dienen fast ausschließlich der Ausstellung der Willkür, Grausamkeit und psychischen Deformationen der Sklavenhalter, favorisieren somit das sensationell Voyeuristische gegenüber dem, was das Sklavendasein in erster Linie ausgemacht hat: Arbeit nämlich, hochanstrengende, zermürbend monotone Plackerei, Stunde für Stunde, Tag für Tag, Jahr für Jahr.
 
2. Das Heldenproblem. In Hollywood müssen alle Konflikte – auch die gesellschaftlichen – individuell gelöst werden. (Alles andere wäre Sozialismus!) Man zimmert sich also einen Helden zusammen und schickt ihn auf die vielbeschworene Reise: Krise, Kampf, Zusammenbruch, Läuterung, Showdown, Sieg. Am Ende liegt der Antagonist am Boden, die Welt ist gerettet und das Paar fällt sich in die Arme. Das Heldenkonzept funktioniert allerdings nur dann,  wenn die Narration dem Protagonisten Handlungsfreiheit gewährt. Der Ausgang der Geschichte muss von der Entscheidung des Helden abhängen. Wird das in der Erzählung versäumt, ist der Konflikt ungenügend individualisiert, kann nicht bearbeitet werden und die gesamte Konstruktion bricht unter ihrem eigenen Gewicht zusammen. Genau das ist bei 12 Years a Slave der Fall. Unser Protagonist ist hier sämtlicher Handlungsmöglichkeiten beraubt. Er ist auf Gedeih und Verderb der Willkür seiner weißen Herren ausgeliefert. Was mit ihm geschieht, liegt außerhalb seiner Kontrolle. Seine Befreiung erfolgt – deus ex machina – durch das Auftauchen eines weißen Abolitionisten in Form von Brad Pitt. (Vielleicht ist das jetzt unfair, aber ich fühlte mich durch den Kurzauftritt von Pitt, der auch einer der Produzenten des Films ist, unwillkürlich an U2’s Bono erinnert, der sich ständig als Sprachrohr Afrikas geriert, tatsächlich aber nur die Werbetrommel für Nestlé, Monsanto und andere Ganoven rührt.) Um es kurz zu machen: Sklaverei ist kein individuelles Problem und lässt sich auch nicht als solches beschreiben. Wer es wie 12 Years a Slave trotzdem versucht, landet automatisch in der Onkel-Tom-Falle. Der Rezipient hat Mitleid mit dem armen Neger und damit hat es sich. Die Diskussion wirft so etwas um Jahrzehnte zurück. Die Black Panthers hätten McQueen und Autor John Ridley vermutlich was gehustet.
 
Abschließend lässt sich vielleicht noch feststellen, dass die Aufmerksamkeit und Wertschätzung, die 12 Years a Slave genießt, möglicherweise gerade der Abwesenheit jeglicher Radikalität geschuldet ist. Der Film stellt überhaupt keine Fragen, erklärt alles über die psychische Deformation seiner Antagonisten. Inszeniert als history piece à la Lincoln wird hier etwas für abgeschlossen erklärt, was noch lange nicht abgeschlossen ist. Tarantino hatte da eindeutig mehr zu bieten.

Advertising Film # 163: La Vie d'Adèle – Chapitres 1 & 2, 2013, Abdellatif Kechiche

Das Bilderbuch des Wahnsinns # 113: Long Hair Is Communism

Paper Trail # 102: Dark Night of Love

Damsels in Distress # 11: Mädchen in den Krallen teuflischer Bestien