26 März 2017

Aufwendungen pfeifen


Hudannit. Wer war’s und wen juckt’s? Am Ende wird gebeichtet und zurückgetreten ins imaginierte Glied. Es war ein Unfall, Herr Kommissar, der Tod nur ein Versehen. Aber abgeführt werden muss oder gestorben von fremder, manchmal auch eigener Hand. Das Schuldgefühl hat sich als Gleit- und Bindemittel historisch bewährt und verlangt nach Sühne wie das Ausstellen von Reue nach Autorität. Die Pflicht zum Habenwollen ist nun einmal keine Erlaubnis zum Habendürfen und schließlich der Witz an der ganzen Sache.

No rest for the wicked. Der Kapitalismus verschleudert seine Ressourcen. Erschöpfung macht sich breit. Alle gehen hustend und geduckt, die Ernüchterung im Blick. Die Viren haben leichtes Spiel.

Filmlogik: Die Wahrheit muss der Bevölkerung stets verschwiegen werden, da sie „eine Panik“ auslösen würde.

Die faschistische Eruption verhält sich zur alltäglichen Verzweiflung wie das sprichwörtliche Ende mit Schrecken zum Schrecken ohne Ende. Von der Monotonie muss erzählt werden, dem Ertragen des Immergleichen im Angesicht der Hoffnungslosigkeit (mit der Furcht vor Veränderung im Nacken).

Ich lasse mich treiben. Ich spieße mich auf. Aus Schmerzen sollen Lüste werden.

Home Movies # 50: Une femme est une femme, 1961, Jean-Luc Godard

Damsels in Distress # 35: Vermeintliche Unschuld unter geilem Sektiererblick

Food Fetish # 64: Müsli

Übertragung und Gegenübertragung # 125: Versagung

Animal Life # 108: Marienkäfer

Kunstlicht # 222: Waiting Room, 2015, Amy Crehore

Childhoods End # 128: His Mother's Eyes

Moments in Comics # 223: World's Finest # 204, 1971, Neal Adams (Cover)

Things to Want # 68: Authentic Black Eye

24 Februar 2017

Die Beschwörung der Toten


Die Körper zucken, tot, doch geil.
Die Stimmen schwellen an zum Chor
und repetitiv sapscht das Geraune
noch an das letzte Ohr.

Sie kriechen schmatzend aus den Gräbern,
formen Rotten, bilden Herden.
Die stets für sich allein Verfaulten
wollen jetzt Teil des Ganzen werden.

Es stinken immer die Anderen,
man huldigt dem Vergessen,
spürt jetzt auf, was noch lebendig ist,
um sich daran satt zu fressen.

Meanwhile at the Frontier # 68: Sergio Leones Gesichterlandschaften

C'era una volta il west, 1968, Sergio Leone

Stu(pi)dien # 16: Schlaffer Händedruck

Shakespeare & Company # 14: Hamlet by Frank Frazetta

The Superhero # 131: Squirrel Girl

Narration & Schwerkraft # 68: Frei erfunden

Alles muss raus - Eine Familie rechnet ab, 2014, Dror Zahavi

Damsels in Distress # 33: Suddenly...

Essential Films # 271: Die Büchse der Pandora, 1928, G.W. Pabst

Childhoods End # 125: To Kill a Mockingbird, 1962, Robert Mulligan

The Public Image # 136: All American

13 Februar 2017

Treppengeister


Ich stehe zwischen all diesen Leuten, die mich in ihrer Mitte glauben. Sie flüstern mir Vertraulichkeiten zu und weihen mich in Geheimnisse ein. Sie halten mich für einen Freund, verwechseln meine ausgestellte Aufmerksamkeit mit Empathie. Sie werden überrascht sein, wenn ihnen dämmert, dass mein Mitgefühl sie nicht nur nicht ein- sondern ausdrücklich ausschließt.

An deiner Seite war selbst die Lüge wahr. Solange ich dich nach deinen Kapriolen auffing, schien alles zusammen zu passen. Erst als dein gebrochener Leib vor mir auf dem Pflaster lag, wurde mir klar, wie dumm ich gewesen war.

Unter Tage trete ich nicht. Das ist unverschämt und billig. Tradition zum Husten. Der Stolz der Sklaven: Die Würde bewahren im Angesicht der Hoffnungslosigkeit. Lebten sie noch, könnten wir nicht viel mit ihnen anfangen. Sie waren schroffe Charaktere von boshafter Sentimentalität; Genießer von Gemeinheiten. In die Enge getrieben, ersehnten sie Weite. Sie gehörten der Erde und träumten vom Meer.

Kanonenfutter. Perlen vor die Säue. Hier drifte ich weg, fantasiere mich in den Tagtraum. Die Geschichte meines Lebens: Wie ich lernte die Monotonie zu lieben. Protokoll einer Gehirnwäsche. Die Not kann tiefe Wunden reißen und manches Gewebe ist schlecht verheilt. Die Narben jucken bei schlechtem Wetter oder wenn Indianer in der Nähe sind. Die Haut vibriert. Es wird eng in der Brust. Man verhält sich ganz still, aber man möchte explodieren. Unterdrückte Wut. Unterdrückt weil ohne Grund und Ziel, aber das kann ja nicht sein, man grübelt, aber man kommt nicht drauf. Also sucht man nach Anlässen, die eine gerechte Empörung rechtfertigen. Oh, hallo, du bist also der Nazi in mir, nett dich kennen zu lernen, du hast mir gerade noch gefehlt. Weniger gut sein zu wollen, würde sich im Moment ganz gut anfühlen.

Umso konzentrierter man sucht, lehrt uns der moderne Horrorfilm, desto weniger wird man fündig. Die Erkenntnis - hier: der Schock - erfolgt stets im Augenblick der Entspannung.

11 Februar 2017

Übertragung


Deines Blickes nicht würdig,
doch meinen genießend.

Die Ferne umspielt dich,
macht Liebe mit dir.