10 September 2016

Sprache der Liebe


„Du verstehst nicht,“ beharrte er. „Ich küsse dir die Füße. Ich besinge den Weg, den du beschreitest. Aber du gibst die Gleichgültige, spielst die Unschuldige und zierst dich wie ein Schulmädchen. Dabei teilst du meine Abscheu vor Heuchelei. Die Verworfenheit unserer Begierden mindert nicht die Ernsthaftigkeit unserer Empfindungen.“
„Wie bedeutungsschwer,“ frotzelte sie. „Du willst also nicht einfach nur Sex?“
„Natürlich will ich Sex, wenn auch nicht ‚einfach nur‘. Aber das steht im Moment gar nicht zur Debatte. Die Frage ist, was du willst.“
Seine Lippen bebten vor sündhafter Erkenntnis. Aufgespießt von der Schonungslosigkeit seines Blicks ließ sie alle Zweifel fahren und nahm seine Hand.
„Komm,“ seufzte sie.
Sie berauschten sich an jeder Berührung, gaben sich hin, beleckten, lutschten und saugten einander, bis sie der Orgasmen müde in widerwilligen Schlummer fielen.
Sie erwachte erschrocken, er beklommen. Schweigend, einander abgewandt kleideten sie sich an.
„Ich kann dich nicht retten,“ sagte er zum Abschied. „Ich trage nur meine eigene Haut zu Markte.“
„Wie bedeutungsschwer,“ flüsterte sie und hob sich die Tränen für einen späteren Zeitpunkt auf.

Freeze # 75: Don't Touch

Places to Be # 19: Second-Hand Bookstore