04 August 2015

Dunkeldenker


The following takes place forever and ever. (Das Trauma kennt weder Ort noch Zeit). The events occur in real time. Aber was ist real? Die Höhe des Tellerrandes, über den hinauszuschauen so schwierig scheint, ist nur zu einem geringen Anteil übermäßiger Bequemlichkeit geschuldet. Überall ist Krieg. Selbst in diesen Zeilen. Da gibt es kein Entkommen. Oder gerade. Stichwort: Kunstgenuss.

Verliebte Kommunisten. Eden. Der Schlachthausfreund. Mit mir nicht mehr. Männer, die Süßigkeiten essen. Mama, Papa, Palimpsest. Visuelle Erstickungsanfälle. Wundengedächtnis. Ich tat dir gut, als ich dich schlafen sah. Du erwachtest, küsstest mich und sagtest Kaffee.

Die Hoffung auf Bergung weiterer Leichen sinkt. Die Erinnerungen sind verschwommen und zu Brei verklebt. Wohnungen und Hinterhöfe, in denen man verbotene Dinge zu tun glaubte. Dabei tat man nur, was vorgesehen war. Verbote müssen zumindest sporadisch übertreten werden, um wirksam zu bleiben. Dass ein Jedes seine andere Seite hat, sollte sich eigentlich herumgesprochen haben. Das Feld, das wir sie haben bestellen lassen, hat reife Früchte getragen. Jetzt ist es ihnen zu klein geworden. Ihr Triumphgeheul setzt die Welt unter Dampf. Sie sprechen. Wir hören zu. Sie haben alles. Wir haben nichts. Überall dort, wo dem „Mut zu unpopulären Maßnahmen“ gehuldigt wird, wünsche ich Detonationen zu vernehmen. Ich glaube nicht mehr an einen friedlichen Wandel. Armut ist teuer.

Wie sanft das Licht fällt und die Ratten rennen. Die Verhältnisse tanzen. Strukturell zwischenmenschliche Grausamkeit. Freundschafts- und Liebeskonflikte, die ganze Welt der Affekte von hell bis dunkel. Unsichtbare. Zwischenzonen. Verschwundene Realitäten. Gegenwirklichkeit. Die Kunst, eine zusammen zu rauchen. Die Bewegung der Assoziation wider die Macht der Dissoziation.

Die Welle kommt. Es ist zwar ein bisschen so, als würde man von Lummerland aufs Meer hinausschauen. Aber das ist schon okay. Die Fähigkeit zur Kapitulation ist eine der stärksten Waffen im Kampf ums Dasein. Ich wünschte nur, euch würde schmerzen, wie mir es tut.

Farewell Notes on the Human Condition # 21: Montag, der 13. Juli 2015 - Drei kleine Schweinchen bejubeln das Ende der Demokratie in Europa

Essential Films # 254: Marfa Girl, 2012, Larry Clark

28 Juli 2015

Essential Films # 253: Plein soleil, 1959, René Clément

The Truth Needs To Be Told # 151: Kekse


Bei Zeit, Lust und Laune sei dem werten Leser die Lektüre der Facebook-Kommentarseite zum Foto via des obigen Links empfohlen. Hier präsentiert sich nämlich der zunehmend verwirrte Geisteszustand der bundesrepublikanischen „Öffentlichkeit“ in Hochform.
So erklärt der Nazi, der glaubt, er wäre keiner, den Flüchtling schlicht zum Paradoxon: Wer noch genug Mittel und Kraft hat, um es bis hierher zu schaffen, dem kann es so schlecht gar nicht gehen. Nur wer brav daheim bleibt, um tapfer zu verhungern oder sich stolz massakrieren zu lassen, hat ein Recht auf das tief empfundene Mitgefühl des deutschen Michels.
Nicht weniger verschroben argumentiert eine ebenfalls die Plakataktion missbilligende Gruppe, die ihren „Antirassismus“ von politischen Störgeräuschen wie zum Beispiel der Kapitalismuskritik reinzuhalten wünscht: Die Kommentatoren geißeln das „Banker-Bashing“ als angeblichen Antisemitismus (so ganz rein ist ihr „Antirassismus“ also nicht), können vor lauter moralischer Integrität kaum noch atmen und sind ganz allgemein, überhaupt und irgendwie gegen „den Hass“.
Fair is foul, and foul is fair. Die Propagandamaschine läuft wie geölt. Man könnte heulen, müsste man nicht damit rechnen, gestreichelt zu werden.

Meanwhile at the Frontier # 56: Wyatt Earp, 1923

A Second Skin # 65: Hüte

14 Juli 2015

Die Sorge um die Seinen


„Aktionäre, Partner! Unsere Verhandlungen waren erfolgreich. Wir sind hart geblieben und haben nicht mit uns feilschen lassen. Den Vertretern des Pöbels wurde unmissverständlich vor Augen geführt, dass wir eine Schneise der Verwüstung zu schlagen bereit wären, sollte unseren Forderungen nicht bedingungslos stattgegeben werden. Die Dokumentation unserer Entschlossenheit mithilfe des Verweises auf unsere ideologische, propagandistische, geheimdienstliche und militärische Dominanz sowie diesbezüglich ausgewählter Fallbeispiele leistete hinsichtlich des Einlenkens unserer Verhandlungsgegner unschätzbare Dienste. Mehr noch als von der Sorge um die Seinen wird der Pöbel bekanntlich von der Furcht um das eigene erbärmliche Dasein getrieben. Das Elend dieser Existenzen ist wirklich zu bedauern. Ihr ganzes Leben lang rackern sie sich ab für ein paar Krumen, für die unsereins nicht einmal bereit wäre, morgens den Arsch von der Matratze zu schieben. Freuen wir uns, nicht zu ihnen zu gehören. Aktionäre, Partner! Auf weiterhin erfolgreiche Geschäfte!“

07 Juli 2015

Frank Amling: Wirklichkeit. Ein Bilderbuch. (1994)


Watch the Web # 66: Georg Schramm zu Atomenergie, Finanzkrise und Grexit


Georg Schramm schlägt beim Schönauer Stromseminar einen atemberaubenden Bogen von den Machenschaften der Atomwirtschaft über das Syndikat des billigen Geldes bis zum Verrat von europäischen Grundwerten in der Griechenlandkrise, um mit einem persönlichen Dank an Ursula und Dr. Michael Sladek für ihre Beharrlichkeit im Kampf gegen scheinbar übermächtige Strukturen zu enden.