15 Dezember 2015

Riss


Gewaltsame Bedeutungsverschiebungen und Begriffsumdeutungen bilden den gedanklichen Nährboden jeder erfolgreichen Ideologie. Ich wuchs in dem Aberglauben auf, Vernunft wäre mit ihrer Abwesenheit identisch. Wie kann man daran nicht wahnsinnig werden? Mit dieser Frage schlage ich mich bereits mein ganzes Leben lang herum und tappe alternierend treudoof und ausnehmend clever von einer Falle in die nächste. Der Versuch dem Irrsinn zu begegnen, indem man Ratio gegen Emotion und vice versa ausspielt, ist schon deswegen zum Scheitern verurteilt, da jede Argumentation auf dieser Ebene die Spaltung bereits als naturgegeben akzeptiert hat, gleichzeitig den Riss im eigenen Denken und Empfinden verschleiert und somit eben dem zuarbeitet, dem man eigentlich die Stirn zu bieten beabsichtigte. Kettensprengerträume und Gewaltausbruchsphantasien entspringen in der Regel von Angst gelähmten Leibern. Es gibt kein richtiges Leben im falschen, das kann man nicht oft genug wiederholen. (Danke, Adorno.)

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