16 April 2011

Literaturkanon # 105: Ich fraß die weiße Chinesin, 1967, Duca di Centigloria

"Auch die Gattin und die Familie des Gouverneurs wurden von eingeborenen Frauen in seltsamen Maskengewändern und Gebärden dargestellt. Dann mußte Prospero im Ringelreihen mit den Männern tanzen; sie tranken ihm freundschaftlich zu und schienen gar keinen Groll gegen ihn zu hegen. Jeder lud ihn ein, Wein aus seiner Schale zu trinken, und als während des Tanzes ein Mann leise hinter ihn trat und ihm eine Keule auf den Hinterkopf schlug, spürte er nichts. Er fiel vornüber wie ein Klotz.
Nun erst durften die Weiber kommen. Der riesige Körper wurde geköpft und ausgeblutet, die Weiber weideten ihn aus und zerlegten ihn kunstvoll, die Eingeweide und die Gliedmaßen wurden zusammen mit den Gemüsen gekocht - denn Menschenfleisch ist schwer verdaulich und stopft, weshalb es immer mit einer Gemüsebeilage genossen wird -, und bald begann ein fröhliches Schmausen. Prosperos kleiner Bastard war schon am Tag vorher getötet worden; er wurde jetzt mit ihm zusammen in der gleichen Brühe gekocht; die Mutter bekam den Kopf des Kindes als wohlverdienten Leckerbissen zugeteilt."

Duca di Centigloria: Ich fraß die weiße Chinesin. Ein Menschenfresser-Roman. Reinbek bei Hamburg 1979. S. 50.

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